Säger machen mobil - Branchentreff für Sägebetriebe am 15.02.2011 in Eppenschlag
Die Holz- und Sägebranche ist eine wichtige wirtschaftliche Basis der Region. Sie steht aber auch vor Herausforderungen. Dies wurde am 15. Februar bei einem Bran-chentreff für Sägebetriebe in Eppenschlag deutlich. Dort hatten sich 50 Sägewerker aus ganz Niederbayern und der Oberpfalz zusammengefunden, um sich über wichtige Branchentrends zu informieren. Zudem wurde über die Zukunft der regionalen Sägewirtschaft diskutiert.
Eingeladen hatten das Netzwerk Forst und Holz Bayerischer Wald, Partner der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern, vertreten durch Geschäftsführer Alexander Schulze, und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bereich Forsten Regen, vertreten durch den leitenden Forstdirektor Christoph Graf. Teilnehmer waren hauptsächlich kleine und mittlere Betriebe von zwei bis 20 Mitarbeitern. Klassische Sägewerke, teils mit eigenem Hobelwerk, aber auch Holzgroßhandel und Holzfachmärkte. Zudem waren Vertreter der Bundes- und Landesverbände der Säge- und Holzindustrie bei dem Treffen vertreten. Michael Binder, der zweite Bürgermeister der Gemeinde Eppenschlag und selbst Waldbesitzer, begrüßte die Teilnehmer und freute sich über den großen Anklang der Veranstaltung. Mit knapp 50 teilnehmenden Betrieben könne sich das Treffen mit Sägerkongressen auf Landes- und sogar Bundesebene messen.
Zu Beginn des Treffens verwies Schulze auf die Bedeutung der Netzwerkarbeit für Holz in der Region. Das Netzwerk Forst und Holz Bayerischer Wals will mit seinen Aktionen den Baustoff Holz „ins rechte Licht rücken“. So auch mit den ersten Deggendorfer Holztagen am 20. und 21. Mai 2011. Dort werden im Rahmen einer Fach- und Verbrauchermesse die besten Holzbetriebe aus dem Bayerischen Wald ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. Über 430 Betriebe sind mittlerweile im Netzwerk organisiert und geben so dem Holz auch eine hörbare politische Stimme. Die Zahl der Netzwerkpartner wächst beständig. So sind sechs Betriebe die noch nicht Netzwerkmitglieder waren, der Initiative noch an dem Abend des Branchentreffs beigetreten.
Als fachliche Basis für den Branchenabend erläuterte Rechtsanwalt Jochen Winning, Geschäftsführer des Verbandes der bayerischen Säge und Holzindustrie, die wirtschaftlichen Rahmendaten. Er zeigte auf, dass die gesamtwirtschaftlichen Signale auch aus der Baubranche durchaus positiv zu bewerten sind. Allerdings ließ Winning auch nicht offen, dass sich besonders die kleinstrukturierte Sägebranche in einem schwierigen Umfeld befindet. Holzpreise, Konzentrationsprozesse und auch internationale Konkurrenz führten speziell bei Kleinsägern zu einer bedrohlichen Betriebssituation.
Hannes Dietl, selbst gelernter Sägewerksmeister und mittlerweile vereidigter Sachverständiger für die deutsche Sägewerksindustrie, informierte die Anwesenden über die Situation zur Einführung des CE-Kennzeichens für Sägewerksprodukte. Das von technischen Geräten wie Computer oder Kaffeemaschinen bekannte Kontrollzeichen soll, nach aktuellem Stand, ab September 2012 auch für Holz aus Sägewerken obligatorisch werden. Besonders aufgrund der Kosten für die Einrichtung und die jährlicher Überwachung des notwendigen Zertifizierungssystems, überwiegt bei den Unternehmen noch die Skepsis. Dietl machte jedoch auch auf die Vorteile aufmerksam: So unterlägen alternative Baustoffe längst einer Fremdüberwa-chung. Wenn Holz hier nicht abgehängt werden wolle, sei das Zeichen schlicht unverzichtbar. Er empfiehlt den Betrieben, sich gemeinsam „CE-fähig“ machen zu lassen. So könnten Kosteneinsparungen von bis zu 30 Prozent erzielt werden. Nähere Auskünfte erteilt das Netzwerk Forst und Holz Bayerischer Wald.
In Dietls zweiten Beitrag zum Thema Controlling erfuhren die Teilnehmer, welche Methoden hier speziell für kleine und mittlere Sägebetriebe sinnvoll sind. Controlling ist nach Dietl das „Navigationssystem“, mit dem der Betrieb „auf Kurs“ gehalten werden kann. Kleinbetriebe kämen mit wenigen, leicht zu erhebenden Kennzahlen aus. Der erste Schritt könne beispielsweise die Einrichtung eines Reklamationsmanagements sein oder der (geschulte) Blick auf die Auswertungen des Steuerberaters. In Großbetrieben dagegen würden die Kennzahlen online, direkt aus der Produktion entnommen. Für Partnerbetriebe des Netzwerks Forst und Holz Bayerischer Wald bietet Dietl die Einrichtung eines individuellen Controllings zu Sonderkonditionen an.
In an die Vorträge anschließenden regen, teils sehr emotional geführten Diskussionen machten die Anwesenden vor allem ihre Skepsis gegenüber der CE Kennzeichnung deutlich. Die Vorteile dieser Kennzeichnung vermochte kaum einer der teilnehmenden Säger zu sehen. Für kleine Betriebe sei der Aufwand so hoch, im schlimmsten Fall sei sogar mit Betriebsaufgaben zu rechnen sei. Bestenfalls gemeinsam sei man in der Lage, die Anforderungen zu schultern. Zudem kam von Seiten der teilnehmende Holzhändler die Zusammenarbeit mit den Waldbesitzervereinigungen zur Sprache. Hier seien Gespräche auf Landkreisebene notwendig, um den dringend notwendigen Holznachschub zu sichern. Die Anwesenden baten die Netzwerkleitung außerdem, in einer Folgeveranstaltung die Themen „Haftung bei Schnittholztransporten“ und „Brandschutzversicherung“ zu behandeln.
Dipl. Kulturwirtin Univ. Anke Wischnewski (21.01.2011)