Das ungenutzte Holzbaupotential
Holzbrücken brauchen den Vergleich mit herkömmlichen Brückenbauweisen nicht zu scheuen. Im Gegenteil: Sie sind bei gleicher Tragkraft leichter und damit schneller und unproblematischer zu bauen und fundamentieren. Ihr geringeres Gewicht führt zu einem besseren Schwingverhalten. Und siie sind gleichzeitig flexibler, was ihnen bei Stoßereignissen zu Gute kommt.
Mit der Entwicklung neuer plattenförmiger Werkstoffe und Holz-Beton Verbund als Fahrbahnelemente können Holzbrücken, durch die Möglichkeit der Vorfertigung, schneller auch im unwegsamen Gelände gebaut werden. Da bei Reparaturen Teile einzeln ausgetauscht werden können, ist ein relativ geringer Unterhaltsaufwand zu prognostizieren (Kalkulationsansatz: 1% der baubezogenen Kosten p.a.). An die Stelle der früher notwendigen Bedachung ist der konstruktive Holzschutz getreten. Holzbrücken von heute sind schlanke, moderne, architektonisch ansprechende Ingenieurbauten.
Brücken aus Holz haben zwar die gleiche Funktion, Sie sprechen jedoch eine andere Sprache: Generell ist eine Brücke der Bauwerk gewordene Widerstand von uns Menschen gegen eine natürliche Grenze. Durch den Naturstoff Holz werden sie aber belebter Teil der Landschaft und nicht brechender Fremdkörper. Sie verbinden auf natürliche Weise. Brücken geben uns den Weg, den einen Weg. Ihre ästhetische, oft bis zur Extravaganz gesteigerte, Anmutung schafft Raum. Auch Raum zum Verweilen. Die Natürlichkeit des Flusses und die Unbezwingbarkeit des Abgrundes werden nicht gebrochen sondern umschmeichelt.