Branchentreff Holz und Besichtigung eines Sägewerks in Vilshofen
Gut zwanzig Mitglieder des Arbeitskreises Forst und Holz aus dem ganzen Landkreis Passau hatten sich am 30. September 2010 zu einem Arbeitskreistreffen mit Betriebsbesichtigung in Vilshofen zusammengefunden. Nach einer Führung durch die Holzwerke Weinzierl GmbH standen beim anschließenden fachlichen Austausch die Themen Versorgung mit Rundholz und die umweltfreundliche Erzeugung von Energie aus Holz im Mittelpunkt.
Das Netzwerk Forst und Holz Bayerischer Wald wurde 2008 gegründet, erstreckt sich über alle sechs Bayerwald-Landkreise von Cham bis Passau und ist Ansprechpartner für sämtliche Firmen, die mit dem Werkstoff Holz zu tun haben. Zwei Ziele stehen im Vordergrund: Die Holzverwendung zu erhöhen sowie die Wertschöpfung aus Holz und damit den betrieblichen Erfolg der Holzbetriebe zu steigern. Für die Mitglieder, mittlerweile über 430, ist die Teilnahme am Netzwerk kostenlos. Regelmäßige Treffen in den Landkreisen dienen dazu, das gegenseitige Kennen zu erleichtern und die regionale Zusammenarbeit zu verbessern.
Beim Treffen am 30. September in Vilshofen betonte Netzwerkpartner Hans Weinzierl, Inhaber der Holwerke Weinzierl GmbH die lange Tradition, die sein Unternehmen auszeichnet. Bereits seine Großeltern haben an gleicher Stelle ein Sägewerk betrieben, das er nun mit seinem Sohn in dritter bzw. vierter Generation weiterführt. Derzeit werden jährlich ca. 500.000 Kubikmeter, überwiegend Fichten-Stammholz, im 2-Schicht-Betrieb eingeschnitten. Wegen der zu geringen Holzanlieferung aus den Privatwäldern in Niederbayern konnte im Jahr 2010 teilweise jedoch nur in einer Schicht gearbeitet werden. Mittlerweile ist es gelungen, die Holzversorgung über andere Kanäle wieder sicherzustellen.
Im Werk sind derzeit ca. 90 Personen beschäftigt, deren Motivation und Qualität der Chef besonders lobte. Bei einem ausführlichen Betriebsrundgang konnten sich die Netzwerkmitglieder aus allen Bereichen der Holzbranche - Sägewerker, Fuhrunternehmer, Holzhändler, Waldbauern, Schreiner und Zimmerer - sowie Vertreter der IHK, ein Bild von allen Arbeitsschritten in einem modernen Sägewerk machen. Eine besondere Herausforderung stellt die Logistik dar: Die kontinuierliche Anlieferung von Holz muss so gesteuert werden, dass die Anwohner möglichst wenig belastet werden. Vor der Entrindung wird die Qualität der einzelnen Stämme geprüft. Danach erfolgt die Auftrennung in das höherwertigere Holz aus dem Stamm-Inneren und die sogenannte Seitenware. Während die minderen Qualitäten für Paletten, Holzkisten und sonstige Verpackungen genutzt werden, wird das hochwertige Holz in Trockenkammern getrocknet. Anschließend geht es an Betriebe, die daraus Leimholzbinder für den Hallendachbau oder Konstruktionsvollholz für den Hausbau herstellen. Mehr als zwei Drittel seiner Produktion vermarktet Weinzierl in Deutschland, der Rest geht ins angrenzende Ausland und nach England.
Bei der anschließenden Aussprache im Gasthaus Schmalzl standen die Themen Versorgung mit Rundholz und die Produktion von umweltfreundlicher Energie im Mittelpunkt. Hans Weinzierl berichtete von der aktuellen Erweiterung seines Betriebes um ein weiteres Heiz- und ein Pelletswerk. „Wenn beide Vorhaben fertig sind, trägt das Unternehmen zur Vermeidung von 180 Millionen Kilogramm Kohlendioxid jährlich bei“, so Weinzierl. „Durch die Nutzung der Produktionsreste zur Energieerzeugung und die Verpressung der Späne zu Pellets werden außerdem über 5.000 LKW Fahrten pro Jahr eingespart.“Intensiv wurde die Frage der schwankenden Holzversorgung und damit auch die Auslastung von Sägewerken diskutiert. Dabei ist sowohl den Forstunternehmern als auch den Sägewerkern an einem kontinuierlichen Holzstrom gelegen. Als problematisch erweisen sich die immer wieder auftretenden Holzpreisschwankungen und die daraus oft resultierende Einschlagzurückhaltung der privaten Waldbesitzer.
Auch das nächste Arbeitskreistreffen der Holz-Branche im Landkreis Passau soll in einem Betrieb stattfinden. Interessierte Betriebe, die teilnehmen oder ihren Betrieb vorstellen möchten wenden sich an den Arbeitskreissprecher des Landkreises Passau Herrn Ludwig Geier unter poststelle@aelf-pa. bayern.de. Alle Informationen zum Netzwerk Forst und Holz Bayerischer Wald finden sich unter www.holzregion-bayerischer-wald.de.
Diplomkulturwirtin Univ. Anke Wischnewski (05.10.2010)